
Von Manipulation bis Marketing: Wie der deutsche SEO-Markt wirklich aussieht
12.04.2017 Google nimmt Black-Hat-SEO mit Updates erfolgreich unter Beschuss. Die Folgen: Bald dürften seriöse Anbieter in den Spam-Bereich rutschen. Wenn sie nichts dagegen tun. Vier Szenarien für die SEO-Zukunft.

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Diese Lage hat sich seitdem deutlich gebessert: Michael Pauls, Inhaber der Berliner SEO-Agentur SEO Maxx



- Etwas durchwachsener fällt die Diagnose von Markus Hövener
von der auf SEM spezialisierten Onlinemarketing-Agentur Bloofusion
aus: Einerseits, so sagt er, gibt es Leute "die das machen - aber im Großen und Ganzen ein Nischenthema, weil Google viel weggeräumt hat - früher gab es Unternehmen die das beauftragt haben, das gibt es heute nicht mehr." Andrerseits habe er unlängst noch einen Workshop abgebrochen, weil die Teilnehmer auf der Vermittlung von steinzeitlichen SEO-Methoden bestanden: "Die wollten nicht wahrhaben, dass man eben nicht mehr einfach seine Links kaufen kann. Man muss sich heute als Agentur wirklich mit den Webseiten auseinandersetzen. Da gibt es noch einige Dienstleister, die das nicht begreifen."
- Thomas Kaiser
, Geschäftsführer der SEO-Agentur Cyberpromote
"bekommt immer wieder Angebote zu Linkkauf und Linkmiete zugeschickt. Ein Großteil des Wettbewerbs arbeitet immer noch damit. Wir sagen den Kunden dann 'Können Sie selbst machen, wenn Sie selbst die Links kaufen und das Risiko tragen. Wir machen aber gerne ein nachhaltigeres, alternatives Angebot'."
- Die Black-Hat-Taktik des abgebrannten Hauses funktioniert immer noch: Man rankt eine Seite mit allen möglichen schmutzigen Links nach oben - dann, wenn Google aufmerksam wird und den Penalty-Hammer fallen lässt, wirft man die Domain nieder und baut auf dem Fundament der schmutzigen Links eine neue Seite: "Man installiert eine 301er-Weiterleitung und der Penalty ist weg. Besonders in hoch kompetitiven Umfeldern ist das beliebt", sagt Severin Lucks
von der Onlinemarketing-Beratung und SEO-Agentur Delucks GmbH
.
- Auf Facebook
berichtet ein Marketer von einer Kölner SEO-Agentur, die verspricht, Unternehmen alleine durch Backlinks auch in den Adwords-Anzeigen zu positionieren.
- "Im Bereich der KMUs kämpfen wir aktuell gegen Unternehmen, die langlaufende und günstige Verträge anbieten, aber kaum Leistungen erbringen" sagt Jens Fauldrath
, stellvertretender Vorsitzender der Fokusgruppe Search im BVDW
. "Solche Agenturen führen zu verbrannten Kunden die auch für seriöse Agenturen nur schwer wieder zu gewinnen sind."
- Und eine Essener Agentur bietet "die Platzierung von Advertorials mit dem Ziel der Suchmaschinenoptimierung und der Steigerung der 'ranking signals' an. Die Beiträge werden auf Medien eines Publisher-Netzwerks für junge Zielgruppen veröffentlicht, mit dem wir eng zusammen arbeiten."

Das Marktzahlen-Archiv ist ein Premium-Service von iBusiness. Werden Sie Premium-Mitglied, um dieses Chart und viele tausend weitere abzurufen.
Jetzt Mitglied werdenWie groß sind die Anteile von Black Hats/seriösen Agenturen/Stümpern am SEO-Dienstleister-Markt? Dieser Fragestellung ist iBusiness anhand eigener SEO-Auswertungen, Agenturmarketing-Daten und in Kooperation mit Experten des BVDW nachgegangen - das Ergebnis ist eine datengestützte Schätzung der SEOs, die in verschiedenen Ligen operieren:
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Typische Kennzeichen unseriöser Dienstleister
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Wieso so viele Dienstleister am Markt mit minderwertigem SEO überleben können, erklärt sich aus fünf Markt-Nischen. In diesen Biotopen können Black Hats und schlechte Dienstleister recht gut überleben.
1. Die Spam-Erfahrungs-Nische
Egal wie oft Google seinen Algorithmus updatet: Die ersten, die wissen, wie man ihn austrickst, sind stets die Spammer. Seriöse SEOs haben so kurzfristig oft das Nachsehen gegenüber den Tricksern, die einfach wissen, wie man trickst.Lösung:
Unbeirrt weiter auf Strategie setzen. Theoretisch ist es auch möglich, eine mit Spam-Methoden überoptimierte Seite aufzusetzen und parallel zur strategisch gepflegten Markenseite laufen zu lassen.2. Die Usability-Fail-Nische
Wie loggt man sich bei GMX ein, wie setzt man eine SIM-Karte ins iPhone ein? Black Hats setzen gerne Seiten auf, die solche Fragen beantworten - so nutzen sie aus, dass die Marken selbst zu blöde sind, es ihren Nutzern gut zu erklären.Lösung: In solchen Fällen haben es die Seiten/Marken selbst in der Hand, Traffic-Vampire abzuwehren: Bietet den Erklär-Service selbst an.
3. Die Altlasten-Nische
Viele gute Seiten schleppen miese Links mit sich herum, die sie zu grauer Vorzeit angesammelt haben. Natürlich kann man diese Links gegenüber Google als 'minderwertig' anzeigen und entwerten lassen, doch die Wirkung lässt zum Teil ewig auf sich warten.Lösung: Nach Expertenschätzung wird jede fünfte Seite alten Link-Spam nie wieder los. "Sauren Apfel nehmen, einen großen Biss bitte: Seite ganz neu aufbauen.", sagt Pauls.
4. Die Hund-mit-den-wenigsten-Flöhen-Nische
In manchen Sparten sind SEO-Überoptimierung und Manipulation derart gängig, dass Google schlicht keine Seite findet, die richtlinienkonform rankt. Dann rankt meist die Seite mit dem wenigsten Ramsch am besten.Lösung: Ein Geschäftsmodell wählen, bei dem die Nutzer Markenaufbau und Content honorieren. Also irgendwas ohne Porno, Online-Poker und Viagra.
5. Die Google-ist-eine-dumme-Maschine-Nische
Google ist am Ende eine dumme Maschine. Ein Mensch erkennt, dass eine Lederpflege-Seite nichts mit der Autopflege-Seite zu tun hat, auf die sie verlinkt. Dennoch werden solche Nonsens-Links oft zum Ranking-Turbo werden: Der Link bleibt das Einfallstor für Manipulation und größte Schwachstelle GooglesLösung: Bessere Seiten mit besseren Contents bauen - und fleißig bewerben, damit die Nutzersignale (Traffic) Google zeigen, wer hier wirklich seriös vorgeht.
Alles wird grau - der SEO-Megatrend
Es zeichnet sich eine große Verschiebung ab: von schwarz zu grau - und von weiß zu grau: SEO-Geschäftsmodelle, die heute noch White Hat sind, rücken zunehmend in Googles Visier und ergrauen - ein Beispiel dafür wäre beispielsweise die Nutzung von Googles mobiloptimierten Content-Seiten, den AMPs

Als künftige graue bis schwarze SEO-Themen sieht Severin Lucks Bewertungsplattformen - der SEO geht davon aus, dass in den kommenden ein oder zwei Jahren die Trusted Shops




Vor diesem Hintergrund zeichnen sich vier mögliche Szenarien für die Zukunft von White/Grey und Black Hat ab.
Vier Szenarien für SEO, Black Hat und den Agenturmarkt
Der gute SEO
Seriöse SEOs liefern Qualität ab, die Kunden und Google gleichermaßen überzeugt - der Suchmaschinengigant geht konsequent weiter gegen Black Hat vor, das deshalb bald schon ganz von der Bildfläche verschwindet. Google respektiert aber weiterhin Optimierungsarbeit, wie sie in den Google-Richtlinien festgelegt ist. Wer sich als SEO und Kunde an die Regeln hält, lebt gut.
Langsamer Black-Hat-Tod
Es gibt ein Wettrüsten zwischen Google und Black Hats - auf jedes Update folgt feinere Ranking-Manipulation. Besonders in wettbewerbsintensiven Umfeldern konkurrieren SEOs mit Black Hats. Dagegen geht Google mit aggressiven Updates vor - Nebeneffekt: Bislang unbeschadete Geschäftsmodelle (Bewertungsplattformen) und SEO-Tools fallen in einen Graubereich oder geraten ins Kreuzfeuer.
SEO wird grau
Durch ständige Algorithmus-Updates und eine Ausweitung der Anti-Black-Hat-Kampfzone geraten immer mehr und mehr SEOs in den Bereich des Grey-Hat-SEOs: Ihre bislang nicht beanstandeten Methoden werden nach und nach von Google ins Visier genommen - SEO wird zur Gänze allmählich grau bis schwarz. Eines Tages wird viel von dem was heute unbedenkliches SEO ist als Black Hat gelten. Ausweg für SEO-Agenturen: Technische Optimierung nur als Fundament für strategischen Maßnahmen und nicht als Manipulation einsetzen (mehr dazu in der Analyse Welche Überlebenschance SEO in Zukunft noch hat
).
Black Hat bleibt
Black-Hat-SEO ist auch künftig nicht totzukriegen - windige SEO-Buden machen den seriösen Anbietern weiter das Leben schwer - und was noch schlimmer ist: Sie bringen die Kunden dazu, von ihren SEO-Agenturen auch Black-Hat-Methoden zu verlangen ('Bei meiner Konkurrenz klappt Linkkauf doch, machen Sie das auch!) Langfristig lebt jedoch besser, wer der dunklen Seite entsagt.