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Todesglocken für Agenturen
14.01.2022 Das Problem des Fachkräftemangels bei Agenturen wird immer größer. Die Verbände schlagen Alarm und starten erste Initiativen. Doch ohne eine Abkehr des klassischen Lohnsklavenmodells haben viele Agenturen strategisch wenig Überlebenschancen.
In deutschen Agenturen fehlt es derzeit an tausenden Mitarbeitenden. Allein in den 85 vom GWA befragten Mitgliedsagenturen
sind derzeit 1.492 Positionen unbesetzt. GWA-Präsidentin Larissa Pohl
geht davon aus, "dass es in der Agentur-Szene insgesamt tausende, wenn nicht gar mehr als zehntausend Mitarbeitende fehlen." Der GWA geht davon aus, dass die Zahl der fehlenden Kräfte und die damit verbundenen Herausforderungen in den kommenden Jahren noch wachsen werden.
Bei den Digitalagenturen ist das nicht anders, wie unsere Analyse der Zahlen des Internetagenturrankings
belegt. Dies ist die augenblicklich größte gemeinsame Herausforderung der Agenturen in Deutschland. Eine Trendanalyse für den deutschen Arbeitsmarkt im Jahr 2022
weist nach, dass der Arbeitsmarkt insgesamt vor Herausforderungen wie Burnouts, Homeoffice, Fachkräftemangel und einer außerordentlich hohen Fluktuation von MitarbeiterInnen steht.
Die Agenturverbände setzen auf Mitarbeitergewinnung und Schulung: Sei es der GWA
mit seiner geplanten "Offensive", sei es der BVDW, der über sein, zunächst für die SEO-Branche entwickeltes, Fachkräftezertifikat
jungen Menschen den schnelleren Einstieg in die Agenturbranche erleichtern will.
Doch bei einem insgesamt schrumpfenden Arbeitskräfteangebot verzögern solche Aktivitäten nur den strukturellen Blutverlust bei Deutschlands Agenturen, analysieren Susan Rönisch
und Joachim Graf
im aktuellen Videopodcast. Selbst vorgeschlagene Aktivitäten wie die SeniorInnen der Generation 30plus oder Geflüchtete in digitale Jobs zu locken, lösen das Problem nicht.
Ihre Analyse: Der Brain-Drain beschleunigt sich - von den kleinen Agenturen zu den mit lukrativeren Transformationsprojekten gesegneten großen Digitalagenturen. Und von diesen in die Digitalabteilungen der noch besser zahlenden Industrie. Ihr Fazit: Ohne eine Abkehr des von den Agenturen seit Jahrzehnten betriebenen Lohnsklavenmodells "Geld für Personentage" haben viele - vor allem kleine - Agenturen strategisch wenig Überlebenschancen. Beide erklären, warum für Agenturen mittel- und langfristig ein neues, digitaleres Geschäftsmodell nötig ist.
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